ARD

ttt - titel thesen temperamente

Kultur, Magazin • 27.07.2026 • 00:00 - 00:30
Max Moor gibt Informationen über aktuelle Ereignisse und wichtige Trends im deutschen und internationalen Kulturleben. ttt stellt Künstler aller Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung, macht Kunst optisch erfahrbar, zeigt Zusammenhänge auf und stellt den Wettstreit der Meinungen in der Kulturszene dar.
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
ttt - titel, thesen, temperamente
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Kultur, Magazin
Die 150. Wagner-Festspiele in Bayreuth: ein Eklat – und die Frage, wie umgehen mit dem antisemitischen Erbe? Aus "Sicherheitsbedenken" hatte Festspielleiterin Katharina Wagner ein Gedenkkonzert abgesagt, bei dem Michel Friedman an ermordete jüdische Musikerinnen und Musiker erinnern wollte. Der Eklat war groß. Die Festspielchefin ruderte zurück, räumte Kommunikationsdefizite ein und entschuldigte sich bei Friedman. Wieder Ruhe auf dem Hügel? Eher nicht. Nicht erst seit diesem Skandal schwebt über dem grünen Hügel die Frage: Wie umgehen mit dem Werk des ausgewiesenen Antisemiten Richard Wagner? Ausgerechnet im Jubiläumsjahr kommt "Rienzi" auf die Bühne – sie gilt als gilt Lieblingsoper Hitlers. Wir sprechen sowohl mit Michel Friedman als auch mit dem Bayreuther Musikwissenschaftler Anno Mungen (gerade erschienen: "Von Bayreuth nach Auschwitz") und mit Jascha Nemtsov, Professor für Geschichte jüdischer Musik, über die schleppende Aufarbeitung des braunen Erbes seitens der Festspiele. Und mit den "Rienzi"-Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka darüber, wie groß die Verantwortung ist, dieses kontaminierte Werk an historischem Ort zu inszenieren. (Autorin: Laura Beck) * "Katechon": Zur Rückkehr der politischen Theologie in der Gegenwart Vom Tech-Milliardär Peter Thiel über AfD-Politiker bis zu russischen Ultranationalisten - neuerdings bemühen viele ein biblisches Motiv: den Katechon. Als geheimnisvolle Kraft soll er den "Antichristen" aufhalten. Das "Böse" ist demnach auch die internationale Staatengemeinschaft sowie Werte einer demokratischen und aufgeklärten Gesellschaft, die diesem Narrativ folgend den Menschen Sicherheit und Stabilität nur vorgaukeln würden. Donald Trump soll eine irdische Gestalt des Katechon sein. Eine theologische Figur, die instrumentalisiert wird, um die Politik der extremen Rechten zu legitimieren. Über die Konjunktur eines Begriffes und seine Implikationen sprechen wir mit dem Historiker Volker Weiss und dem österreichischen Theologen Wolfgang Palaver, der seit einer gemeinsamen Zeit in Standford regelmäßig in intellektuellem Austausch mit Peter Thiel steht. (Autor: Maximilian Sippenauer) * Francis Kéré: Wie nachhaltiges Bauen die Welt verändern kann Radikal einfach! Mit diesem Leitsatz wurde der aus Burkina Faso stammende Francis Kéré zu einem der bedeutendsten Architekten unserer Zeit. In seinem Heimatdorf Gando errichtete er als Student eine Dorfschule aus luftgetrockneten Lehmziegeln, die sich selbst kühlt. Dieser mehrfach ausgezeichnete Bau, klimaresilient und nachhaltig, war der Anfang einer steilen Karriere: Kéré entwarf Schulen und Gemeinschaftszentren, für Christoph Schlingensief ein ganzes Operndorf und spektakuläre und dabei immer traditionsbewusste Parlamentsgebäude. 2023 wurde Francis Kéré, mittlerweile in Berlin lebend, mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern einer sozial engagierten Architektur. Gerade hat er in München sein erstes dauerhaftes Gebäude in Deutschland vorgestellt: Eine Kindertagesstätte für die TU München, fünf Stockwerke hoch, überwiegend aus bayerischem Holz. Ein Bau, der alpenländische Bautraditionen aufgreift und dabei wie Kéré selbst - trotz aller gegenwärtiger Herausforderungen - ungebrochenen Optimismus ausstrahlt. (Autorin: Angelika Kellhammer) * Wie wir Erfahrungen machen: Fritz Breithaupt Wir Menschen sind Erfahrungswesen. Jede neue Erkenntnis kann unser Leben verändern. Auch das unterscheidet uns von intelligenten Maschinen. Der in den USA lehrende Kognitions- und Literaturwissenschaftler Fritz Breithaupt zeigt in seinem neuen Buch "Einmal zweimal, keinmal", wie wir als Individuen und Gesellschaften fundamental von Erfahrungen bestimmt werden. Von solchen, die wir zum ersten Mal machen, von Wiederholungen oder – insbesondere im gesellschaftspolitischen Bereich - von imaginierten Erlebnissen. Er stützt sich dabei auf Befunde der Psychologie und Philosophie und verarbeitet neue wissenschaftliche Erkenntnisse seines eigenen "Experimental Humanities Lab" an der Ivy League University of Pennsylvania. Eine sehr ungewöhnliche eigene biographische Erfahrung mit der deutschen Geschichte spielt in seinem Buch ebenfalls eine besondere Rolle. (Autorin: Gabriele Pfaffenberger)